Spike Hellis ist ein noch vergleichsweise junges Duo aus Los Angeles, bestehend aus Lainey Chang und Cortland Gibson. Nach dem Debüt aus dem Jahr 2022 präsentiert das Duo nun das Album „Successor“. Stilistisch lässt sich Spike Hellis nur schwer einordnen – oder hast du schon einmal von funkigem EBM gehört?
Nach einem kurzen Intro setzt die Single „By God“ kraftvoll ein. Zunächst deutet alles auf einen rauen EBM-Punk-Sound hin, doch bereits nach knapp 30 Sekunden verändert eine neue Synthesizerlinie das Klangbild. Für einen Moment erinnert sie an Front 242, bevor ein markanter, beinahe sprechgesangartiger Gesang einsetzt. Die Textzeilen werden dem Publikum entgegengeschleudert, während sich der zunächst schlicht wirkende Sound fortlaufend wandelt.
„Temptation“ vereint derart viele musikalische Assoziationen, dass spätestens nach dem zweiten Stück deutlich wird, wie schwierig eine eindeutige Genrezuordnung des Albums ist. Zahlreiche Klänge erinnern an Produktionen der 1980er-Jahre, während der sechs Minuten Spielzeit geschieht musikalisch ausgesprochen viel.
Das Album fordert sein Publikum. Melodische Fragmente, die zum Mitsummen einladen, sind selten; von eingängigen Passagen zum Mitsingen ganz zu schweigen. Das erschwert den Zugang, weckt zugleich jedoch den musikalischen Entdeckergeist. „Your Successor“ besitzt einen ausgedehnten Mittelteil, in dem nur wenig geschieht und die Synthesizer lediglich punktuell variiert werden. Spannend bleibt das Stück dennoch – möglicherweise ist es aber eine Minute zu lang geraten.
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Weitere Informationen„Unwound (Get Right)“ basiert auf einem ungewöhnlichen Rhythmus und ist mit einer Vielzahl eigenwilliger Klänge durchsetzt.
„No Bite“ ist möglicherweise das zugänglichste Stück des Albums. Im Hintergrund arbeitet eine scharf konturierte Synthesizerlinie, getragen von einem hämmernden Schlagzeug.
„Successor“ klingt, als wären Front 242 und Skinny Puppy gemeinsam ins Studio gegangen, hätten ausgiebig gefeiert und anschließend ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.
Wer ein Album sucht, dessen Stücke dem klassischen Schema aus Strophe, Refrain und Strophe folgen und zum Mitsingen einladen, ist hier an der falschen Adresse. Zugleich lässt sich gut nachvollziehen, wenn jemandem das Album zu anstrengend erscheint.
Wer hingegen etwas Außergewöhnliches hören möchte, findet hier ein Werk, das sämtliche Zutaten eines EBM- und Industrial-Albums enthält, sich jedoch konsequent weigert, sie nach einem vertrauten Rezept zusammenzufügen. Das Ergebnis klingt wild, bei genauerem Hinhören zeigt sich jedoch, dass nichts dem Zufall überlassen wurde und das Oberflächliche Klangchaos sehr wohl strukturiert ist. Jedes Geräusch und jeder Ruf erklingt genau dort, wo das Duo ihn bewusst platziert hat.
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