Heldautomat veröffentlicht ein Album zwischen Synthpop, Post-Punk und den Schattenseiten des Lebens

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Heldautomat veröffentlicht ein Album zwischen Synthpop, Post-Punk und den Schattenseiten des Lebens

Musik, die Aufmerksamkeit verlangt, gibt es überall. Heldautomat gehen einen anderen Weg.

Das deutsche Electronic-Post-Punk-Duo macht es seinen Hörern nicht leicht. Hier gibt es keine schnellen Auflösungen, keine eindeutigen Botschaften und keine eingängigen Hooks, die vorgeben, was man fühlen soll. Stattdessen: analoge Synthesizer, ein zurückhaltendes Piano, eine stoisch arbeitende Drum Machine – und eine Stimme, die nicht fragt, ob man bereit ist, sondern einfach da ist.

Mit „Zwischen den Lichtern“ bewegen sich Heldautomat genau dort, wo der Albumtitel es andeutet: zwischen verschiedenen Zuständen, zwischen Emotionen, zwischen Licht und Dunkelheit. Und manchmal auch zwischen Hoffnung und dem leisen Verdacht, dass all das am Ende vielleicht gar keinen Unterschied macht.

Klanglich wirkt „Zwischen den Lichtern“ erstaunlich zeitlos – beinahe trotzig. Niemand versucht hier, musikalischen Vorbildern nachzueifern oder den nächsten Hit zu schreiben. Das Gegenteil ist der Fall: Das Album klingt nicht wie eine nostalgische Rückschau, sondern wie die Erinnerung an etwas, das vielleicht nie ganz so stattgefunden hat.

Zwischen Endlichkeit und Neuanfang

Bereits der Opener „Liebe ist endlich“ formuliert eine klare Ansage. Keine Metaphern, kein Ausweg, keine Erlösung. Nur die stille Erkenntnis, dass Dinge enden – selbst jene, von denen man überzeugt war, sie würden für immer bleiben.

„Am ersten Tag“ handelt wiederum nicht von Aufbrüchen, sondern von dem, was von ihnen übrig bleibt. Man dreht sich im Kreis und landet schließlich wieder dort, wo alles begonnen hat. Nur die Illusionen sind verschwunden.

Mit „Anders sein“ greifen Heldautomat einen Song aus der Vergangenheit auf: Das Stück stammt von Christian Purwiens früherer Band Second Decay. Die Neuinterpretation respektiert die Geschichte des Originals, betrachtet es jedoch aus einer anderen Perspektive und fügt es überzeugend in die eigene musikalische Welt ein.

„Und jetzt“ beschreibt eine Beziehung als Zustand, in dem man neben jemandem liegt und sich gleichzeitig wünscht, ganz woanders zu sein. Ein Gefühl, das vielen vertraut sein dürfte. Oder eines, das man lieber nicht wiedererkennt.

In „Ungesagt“ geht es um das, was zurückbleibt, wenn Worte unausgesprochen bleiben. Um all das, was man vielleicht noch gesagt hätte, wenn man gewusst hätte, dass die Zeit dafür nicht mehr reichen würde. Doch das weiß man bekanntlich nie.

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Ein Blick zurück, ohne Trost zu versprechen

Auch wenn Heldautomat bei „Page of My Diary“ und „The Grass Is Greener“ ins Englische wechseln, verändert sich die Perspektive kaum. Es bleibt der Blick zurück – vielleicht nicht unbedingt mit mehr Weisheit, aber mit größerer Ehrlichkeit.

Fans von Second Decay erinnern sich möglicherweise noch an den Underground-Hit „I Hate Berlin“. Rund drei Jahrzehnte später kehrt Christian Purwien mit „It Always Rains in Berlin“ in die deutsche Hauptstadt zurück. Diesmal geht es um eine Liebesgeschichte, doch die Haltung gegenüber der Stadt scheint sich nicht wesentlich verändert zu haben. Man küsst sich im Regen und hasst Berlin trotzdem. Oder vielleicht gerade deshalb.

In diesem Widerspruch liegt eine besondere Ehrlichkeit des Albums: Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein, selbst wenn sie scheinbar nicht zusammenpassen.

Einer der persönlichsten Momente folgt mit „Manchmal“. Keyboarder Thomas Kowa hat einmal gesagt, dass er sich wünschen würde, dieses Stück möge bei seiner eigenen Beerdigung gespielt werden. Eine Aussage, die mehr über die emotionale Tiefe des Songs verrät, als jede weitere Beschreibung es könnte.

Zwischen Melancholie und trockenem Humor

Bei aller Schwere gibt es auf „Zwischen den Lichtern“ gelegentlich noch etwas anderes zu entdecken: Humor. Sehr trocken, gut versteckt und gerade deshalb umso wirkungsvoller.

Ein Beispiel findet sich im Booklet selbst. Dort wird den Hörern sinngemäß davon abgeraten, sich mit der anderen Band des Duos, Purwien & Kowa, zu beschäftigen – schließlich mache diese angeblich nur Musik für Retro-Nerds mit eingeschränktem Hörvermögen.

Das ist kein Zufall. Es zeigt, dass Heldautomat sich ihrer eigenen Ernsthaftigkeit durchaus bewusst sind und sich den einen oder anderen Seitenhieb darauf erlauben. Selbstironie gehört offenbar ebenso zum Konzept wie Melancholie und musikalische Reduktion.

Auch musikalisch folgt das Album diesem Prinzip. Melodien scheinen sich zunächst zu öffnen, ziehen sich dann aber wieder zurück. Songstrukturen lassen sich Zeit, als wäre Zeit noch etwas, das man sich nehmen darf. Die Musik verweigert sich einfachen Lösungen und vertraut darauf, dass nicht jeder Moment sofort erklärt oder aufgelöst werden muss.

Ein Album, das Fragen offenlässt

„Zwischen den Lichtern“ ist kein Album für nebenbei. Es richtet sich an Menschen, die bereit sind, sich eine Stunde Zeit zu nehmen – nicht nur für die Musik, sondern auch für das, was sie in ihnen auslösen könnte.

Diese Songs liefern keine Antworten. Sie ähneln vielmehr Fragen, die man schon lange mit sich herumträgt, ohne sie jemals wirklich in Worte fassen zu können.

Heldautomat verbinden analoge Elektronik, reduzierte Arrangements, melancholischen Synthpop und die kühle Haltung des Post-Punk zu einem Album, das sich bewusst jeder eindeutigen Einordnung entzieht. Es ist düster, ohne sich vollständig der Hoffnungslosigkeit hinzugeben, und emotional, ohne in Sentimentalität abzurutschen.

Was am Ende bleibt, ist ein Werk, das sich nicht festlegen lässt und gerade darin seine Stärke findet.

Ist es traurig? Ja.

Ist es schön? Auch.

Ist es hoffnungslos? Vielleicht.

Ist es ehrlich? Mit ziemlicher Sicherheit.

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