Kaum zu glauben, aber mit „Lash“ legen Dead Lights bereits ihr drittes Album vor. Seit 2020 ist das transeuropäische Duo um Richard Van Kruysdijk und Saul Stranger – aus den Niederlanden beziehungsweise Großbritannien – aktiv. „Glam-EBM“ lautet die bandeigene Genrebezeichnung. Glamour versprüht die Formation vor allem auf der Bühne; musikalisch bewegt sich das Duo auf einem spannenden Grat zwischen Synthpop und EBM.
„Lash“ zeigt, dass sich die Band erneut ein gutes Stück weiterentwickelt hat.
Der Opener „Never Take Me Alive“ beginnt mit einer ausgedehnten Aufbauphase, bevor er sich zu einer stampfenden Midtempo-Nummer entwickelt. Vor allem in den Gesangslinien zeigt sich, dass Dead Lights inzwischen eine klare eigene Handschrift entwickelt haben. Die Band folgt dabei konsequent ihrem eigenen Gespür, statt sich gängigen Genre-Schubladen zu unterwerfen.
Auch „The Human Touch“ entzieht sich einer eindeutigen stilistischen Zuordnung. Was zunächst wie eine klassische EBM-Clubnummer beginnt, verliert sich zwischenzeitlich in verspielten Fragmenten. Ein ambitionierter Track, der sein volles Potenzial nicht schon beim ersten Hördurchgang preisgibt.
Mit „The Dream Membrane“ werde ich hingegen auch nach längerer Beschäftigung nicht wirklich warm. Der Track ist künstlerisch zweifellos anspruchsvoll, wirkt in seiner Anlage jedoch etwas zu verkopft.
Mit „Gravity“ zündet das Duo dann genau das, was es besonders gut beherrscht: eine Clubnummer mit Wucht. Allerdings nie nach Schema F – die DNA von Dead Lights bleibt jederzeit deutlich hörbar. Gerade dieser Track unterstreicht eine der großen Stärken des Albums: die Sorgfalt, mit der jedes einzelne Arrangement-Element platziert ist. Insbesondere der Gesang variiert sowohl in der Performance als auch in der Bearbeitung stark und verleiht der Band einen unverwechselbaren Klangcharakter.
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Weitere InformationenMit „Resonate“ treibt die Band diesen Ansatz noch weiter. Der Song besitzt grundsätzlich das Potenzial für die Clubs, wirkt durch seinen leicht holprigen Rhythmus jedoch nicht wie der offensichtlichste Kandidat für die Tanzfläche. Gerade dieses Spannungsfeld verleiht dem Stück jedoch seinen besonderen Reiz.
Das abschließende „Unmaker“ ragt innerhalb des Albumkontexts etwas heraus. Der Song wirkt wie ein ambitionierter Versuch, dem Outro einen orchestral angehauchten Charakter zu verleihen.
Der größte Pluspunkt des Albums liegt in seinem Anspruch, EBM neu zu denken, ohne dabei den Blick über den Tellerrand zu scheuen. Darüber hinaus hat die Band inzwischen einen unverwechselbaren Grundton gefunden, der sie klar von vielen anderen Acts abhebt. Allein das können längst nicht alle Formationen von sich behaupten. Eine klare Empfehlung für alle, die ein mutiges EBM-/Synthpop-Album zu schätzen wissen.
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